Der eindrucksvolle Göllinger Klosterturm ist der Rest eines der ältesten Klöster Thüringens, gelegen am Nordrand der Hainleite südöstlich von Sondershausen. Es handelt sich um den westlichen Chorturm der Klosterkirche eines Anfang des 11. Jahrhunderts von der Abtei Hersfeld gegründeten Benediktinerklosters. Stifter des Klosters war der aus dem Grafengeschlecht Käfernburg-Schwarzburg stammende Günther (955-1045), der sich um 1006 einige Zeit im Kloster aufhielt und später heilig gesprochen wurde. Das über reichen Besitz verfügende Kloster wurde nach dem Tod des letzten Abts 1606 säkularisiert. Nachdem es im Westfälischen Frieden als Hersfelder Eigenkloster an Hessen-Kassel gekommen war, wurde der Klosterbesitz in eine Domäne mit eigener Gerichtsbarkeit umgewandelt. 1816 kam die hessische Exklave an Schwarzburg-Rudolstadt.

Ausgehend von der vorhandenen Bausubstanz wird angenommen, dass es sich bei der Klosterkirche St. Wigbert um eine dreischiffige Basilika mit Querschiff und zwei Chören gehandelt hat. Mit der Nutzung als landwirtschaftliches Gut wurde im Laufe der Zeit die gesamte Klosteranlage abgetragen. Von der Klosterkirche blieb nur noch der viergeschossige Westturm mit seiner so genannten Krypta stehen. Die Krypta war um 1170 bei einem Umbau der Klosterkirche entstanden. Aufgrund ihrer beeindruckenden Raumgestalt, der aufwendigen Gestaltung und Ausstattung wird vermutet, dass sie ursprünglich zur Aufbewahrung und Verehrung kostbarer Reliquien bestimmt war, vielleicht im Zusammenhang mit dem hl. Günther, dem Stifter des Klosters. Die beiden unteren Geschosse des Westturms mit ihren Bögen in rotem Sandstein sind ebenfalls um 1170 entstanden, die zwei charakteristischen Achteckgeschosse darüber im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts.

Die Übertragung der Klosterruine Göllingen in den Bestand der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten erfolgte am 11. September 1995. Seitdem werden Sicherungs- und Steinsanierungsmaßnahmen durchgeführt. Zur Wiederherstellung der ursprünglichen Geschosseinteilung wurden die Holzbalkendecken im Inneren des Turms wieder eingebaut.